Ein richtiges Serverrack ist 19 Zoll breit, wiegt so viel wie ein Kühlschrank und passt in keine Wohnung. Es gibt aber eine kleinere Norm. 10 Zoll, halb so breit, dieselbe Logik mit denselben U. Weil es für diesen Formfaktor kaum bezahlbare Gehäuse gibt, druckt sich die Homelab-Szene ihre Racks einfach selbst.
Ich bin über ein Video auf ein Modell namens Lab Rax gestossen, ein 10-Zoll-Rack zum Selberdrucken und Zusammenschrauben. 6U, offene Bauweise, Wabenmuster an den Seiten. Zwei Tage später lief der Drucker.
Erst drucken, dann bauen
Der Slicer ist der Moment, in dem so ein Projekt real wird. Vorher ist es eine Datei, danach eine Zahl. Dreieinhalb Stunden für diese eine Platte, und die war eine von zwölf. Über mehrere Abende verteilt lief der Drucker durch, Platte für Platte, bis alle Schienen, Seitenteile und Blenden fertig waren.
Was mich überrascht hat, ist wie wenig Material darin steckt. Ein Bauteil, das später ein Kilo Elektronik trägt, kostet an Filament weniger als ein Kaffee. Die eigentliche Währung beim 3D-Druck ist nicht Material, sondern Druckzeit.
Die Einzelteile
Am Ende lagen alle Teile auf dem Tisch. Dazu kommt der Teil, den man nicht drucken kann. Ein Sortiment M6-Edelstahlschrauben mit Muttern und Unterlegscheiben, dazu vier Gummifüsse. Das Rack heisst nicht umsonst Bolt Together. Es wird verschraubt, nicht geklebt und nicht gesteckt. Damit bleibt es zerlegbar, und genau das war mir wichtig. Wenn ich in einem halben Jahr merke, dass die Aufteilung nicht passt, schraube ich es auseinander statt neu zu drucken.
Zusammengeschraubt
Das ist der Moment, den ich vorher unterschätzt hatte. Auf dem Bildschirm wirkt so ein Rack nach Infrastruktur. In der Hand ist es ein Möbelstück in Puppenhausgrösse. 6U klingt nach viel und ist ungefähr so hoch wie ein Aktenordner.
Genau das ist aber der Reiz. Alles, was in einem echten Rechenzentrum an Platz, Strom und Lärm hängt, wird hier auf ein Format eingedampft, das neben den Schreibtisch passt und im Betrieb nichts hörbar macht.
Der aktuelle Stand
Drin sind bisher zwei Raspberry Pis, nebeneinander auf einem 1U-Shelf, Netzwerk und USB nach vorne. Damit ist eine von sechs Einheiten belegt. 5U sind leer.
Diese Leere ist der ehrlichste Teil des Projekts. Ich habe gedruckt, ohne zu wissen, was am Ende drin steht. Das klingt rückwärts, aber genau das ist die Reise.
Ganz fix sind die 6U ohnehin nicht. Für das Modell gibt es Erweiterungen, die man einfach nachdruckt und oben dranschraubt, das Rack wächst also mit. Trotzdem behandle ich die 5U vorerst als Budget. Platz, den man jederzeit nachdrucken kann, füllt sich sonst mit Zeug, das man nie gebraucht hätte.
Wie es weitergeht
Zwei Pis sind gut für Kleinigkeiten, aber sie stossen schnell an Grenzen. Der nächste Schritt ist deshalb ein gebrauchter Mini-PC mit x86. Ein ausgemusterter Office-Rechner, sparsam im Idle, mit genug RAM für einen Proxmox-Host und ein paar Container. Momentan vergleiche ich Occasionen und rechne Anschaffungspreis gegen Stromverbrauch. Ein Gerät, das fünfzig Franken günstiger ist und dafür zehn Watt mehr zieht, ist nach zwei Jahren kein gutes Geschäft mehr.
Parallel dazu die eigentliche Frage. Was gehört überhaupt in diese 5U? Ein Patchpanel und ein kleiner Switch sind gesetzt, sonst wird das Cable Management zum Chaos. Danach wird es interessant. Storage, ein Reverse Proxy, etwas Monitoring, vielleicht eine kleine Umgebung, in der ich Dinge ausprobieren kann, die ich nicht auf dem Laptop haben will.
Das Projekt ist explizit nicht fertig. Es ist eher ein Regal, das über die nächsten Monate wächst, nach oben wie nach innen, und ich schreibe hier auf, was dabei entsteht. Auch die Teile, die nicht funktionieren.