Unser Glücksfee Nadine hat den Zettel gezogen. Darauf stand cross-ING. Also ausgerechnet die Challenge, bei der ich am Vortag nicht wusste, wo man anfangen soll. Ich hatte auf Hitachi gehofft, wo Umfragedaten auf dem Tisch lagen und die Frage klarer formuliert war. Ich war ehrlich gesagt enttäuscht, aber so ist es nun mal, man macht das beste daraus.
Ein Trost war, dass es nicht nur mir so ging. Im Team hat niemand sofort einen Anfang gesehen und damit war wenigstens klar, dass wir gemeinsam bei null starten.
Extremszenarien als Denkwerkzeug
Alexander von cross-ING hat den Auftrag nochmals präzisiert. Wir sollen uns Extremszenarien vorstellen und durchdenken und daran die Vor- und Nachteile der einzelnen Energieerzeuger sichtbar machen. Nicht weil eine dieser Welten eintreten wird, sondern weil man an den Rändern sieht, was ein Energieträger wirklich leistet und wo er kippt. Doch wo beginnt man überhaupt? Das Erste, was wir im Team gemacht haben, war einzulesen, Daten zu sichten und zu verstehen. Dabei ist uns aufgefallen, dass die Schweiz im Grunde genommen sehr sauberen Strom erzeugt – rund 83% der Landeserzeugung 2025 stammten aus Wasserkraft (37,5 Mrd. kWh) und Kernkraft (18,4 Mrd. kWh), während die Photovoltaik mit +33,3% gegenüber dem Vorjahr am stärksten zulegte.
Gemeinsam haben wir uns drei Extremszenarien überlegt. Drei Welten, die jeweils einen anderen Pfeiler der Schweizer Stromversorgung an seiner Belastungsgrenze testen. In der ersten gibt es keine Wasserkraft mehr, die Gletscher sind weg und die Speicherseen leer, schliesslich liefert die Hydraulik heute mit Abstand den grössten Teil unseres Stroms. In der zweiten schaltet die Schweiz bis 2050 alle Kernkraftwerke ab, was bei in Beznau in den nächsten Jahren ohnehin Realität wird. Die Frage ist, ob die restliche Produktion diese Lücke auffangen kann. In der dritten geht es in die Gegenrichtung, statt grosser Anlagen entstehen schweizweit Small Modular Reactors, sogenannte Mini-AKWs. Ein Blick darauf, ob dezentrale Kernkraft eine echte Alternative zu den heutigen Grosskraftwerken wäre.
Wie man einem C-Level etwas erzählt
Alexander hat uns zwischendurch gezeigt, wie eine Präsentation auf C-Level aufgebaut ist. Man startet direkt mit der Lösung. Danach die Extremszenarien, dann die Optionen, dann der Entscheid. Fünf Slides, fünf Minuten, eine Minute pro Slide und das Detail wandert in Backup-Folien für den Fall, dass jemand nachfragt.
Ich habe mir das Schema notiert, obwohl ich mir nicht sicher bin, ob ich es je eins zu eins so anwenden würde. Fünf Minuten für einen Entscheid, das ist eine andere Denkweise als die, in der wir gerade steckten, wo wir einen ganzen Tag über drei Extremwelten diskutiert haben.
Was die Diskussion hergab
Bei den ersten beiden Welten landete wir als Team schnell bei ähnlichen Ergebnissen. Photovoltaik, Wind und die übrigen Erneuerbaren müssten stark gefördert werden, weil sonst nichts da ist, was die Lücke auffüllt. Bei der dritten Welt drehte sich die Diskussion fast ausschliesslich um die Akzeptanz der Bevölkerung. Am Nachmittag hatten wir einige Slides und die Synthese aus allen drei Extremseznario war, das man die alternativen erneuerbaren Energie mehr fördern muss und gleichzeit bis 2050 die initative für den Ausbau von mini AKWs lanciert.